Blitzschlag in Kirchturm fordert die Feuerwehr heraus

25.10.2019
Eine erforderliche Übung zu den Gegebenheiten

Notre-Dame hat es uns gezeigt und ein Einsatz vor einigen Monaten an der Wehrkirche in Hannberg (Gemeinde Hessdorf) hat die Feuerwehr darauf aufmerksam gemacht.
Im Spätsommer diesen Jahres war es nur ein Bienenschwarm, der vom Boden her aussah, als stiege Rauch aus dem Dachstuhl des Kirchturms in Hannberg. Glücklicherweise kein Feuer.

Aber was ist, wenn es wirklich brennt? – Im Kirchturm.

Zu einer gemeinsamen Übung der Feuerwehren Hessdorf, Ober-Mittel-Untermembach, Hesselberg und Großenseebach, mit Unterstützung der FF Röttenbach und Herzogenaurach, wurde am vergangenen Freitag Alarm ausgelöst. Realitätsgetreu sollte die Übung verlaufen, nach aktuellen Gegebenheiten und den verfügbaren Einsatzmitteln. Hessdorfs erster Kommandant Peter Bock fungierte als Beobachter und dokumentierte den Verlauf der Übung. Ebenfalls dabei war Pfarrer Johannes Saffer, der den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden aufmerksam mitverfolgte.

Die Feuerwehr will gut vorbereitet sein, wenn es zu solch einem Brand käme.

Der 52 Meter hohe Kirchturm ist beispielsweise mit der Drehleiter nur von außerhalb der Wehranlage möglich, die sich rings um das Gebäude herum zieht. In den Innenhof kommt man durch einen Torbogen nur mit PKW.

Zur Übung alarmierte die Integrierte Leitstelle gegen 16:30 Uhr, dann traf das erste Löschfahrzeug aus Hessdorf ein. Einsatzleiter Ingvar Dreher erkundete den angenommenen Brand mit einem Rundgang durch den Innenhof. Der erste Gruppenführer lies gleich 4 Geräteträger mit Pressluftatmern ausrüsten, wobei der Rest der Mannschaft die Wasserversorgung aufbaute und den Erstangriff vor der Eingangstür der Kirche befahl.

Sekunden später trafen weitere Löschfahrzeuge der benachbarten Wehren ein. Diese galten ihren erforderlichen Aufgaben entsprechend eingeteilt zu werden. Die FF Großenseebach unterstütze mit weiteren Atemschutzgeräteträgern, die Kameradinnen und Kameraden aus Hesselberg brachten eine Tragkraftspritze im Innenhof in Stellung und nahmen zwei Rohre zum Außenangriff vor.

Die Feuerwehr Ober-Mittel-Untermembach sorgte zusammen mit dem Versorgungs-LKW der FF Röttenbach für die Wasserförderung aus einem offenen Gewässer in einigen hundert Metern Entfernung. In diesem Fall ist das Hydrantennetz die erste Instanz der Wasserversorgung, doch die Wasserzufuhr sollte über weitere Möglichkeiten sichergestellt sein. So wurde eine lange Schlauchstecke mit Hilfe von Schlauchmaterial der FF Röttenbach aufgebaut. Die Pumpe setzte hierbei die Feuerwehr ´Membach ein.

Dann kam noch die Herzogenauracher Drehleiter samt Hilfeleistungslöschfahrzeug, die für den Außenangriff mittels Wenderohr auf den Dachstuhl eingesetzt wurden. Mit einer Leiterlänge von 30 Metern - was einer Rettungshöhe von gut 23 Metern über dem Boden entspricht - ist es nicht möglich einem solchen Kirchturm auf Augenhöhe zu begegnen. Mit einer Wurfweite von mindestens 40 Metern gelangt man dann doch bis in die nötige Höhe. Viele Faktoren sind jedoch verantwortlich für den erfolgreichen Einsatz bis in die Kirchturmspitze. Die Wasserzufuhr bekam die Drehleiter vom eigenen Hilfeleistungslöschfahrzeug, welches durch ein LF10 aus Membach gespeist wurde.

Im Gespräch bei den Verantwortlichen war in der Vergangenheit bereits die Möglichkeit einer Steigleitung am Glockenturm, um im Brandfall das Löschwasser bis in die Höhe pumpen zu können. Ein Innenangriff im Brandfall ist jedoch nur bedingt möglich, da hier eine nicht unerhebliche Gefahr für die eingesetzten Kräfte durch Einsturz und fehlende, alternative Rückzugsmöglichkeiten besteht.

Alles in Allem war die Übung erfolg- und aufschlussreich. Die Wasserversorgung funktionierte in diesem Fall gut, die Einheiten waren effektiv aufgeteilt und das Übungsziel wurde erreicht. Das Zusammenspiel der Feuerwehren ist bei solchen Einsätzen ein wichtiges „Hand-in-Hand“.

Zum Übungsende nach über einer Stunde versammelten sich alle Beteiligten zu einer obligatorischen Manöverkritik. Zur Stärkung gab es im Anschluss noch Speis und Trank, als Dank für das Engagement der ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden.


Bericht/Bilder: KBM Sebastian Weber, Pressesprecher Kreisbrandinspektion ERH